Vom Lernen müssen zum Lernen wollen
Von Kareen Klippert in der Zeitschrift wirbelwind von JAKO-O
(Lesedauer. ca. 5 Minuten)
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Wie bringt man Kinder dazu, etwas für die Schule zu tun? Oder noch besser: Aus echtem eigenen Antrieb zu pauken? Der Motor für Lernlust heißt Motivation und Eltern können helfen, ihn zu starten. Den Weg bewältigen muss das Kind aber selbst.
Englische Vokabeln lernen? „Nö, keine Lust“. Wie war das mit der Völkerwanderung? „Das interessierte mich jetzt nicht so“. Die Bedeutung des tropischen Regenwaldes? „Ich habe mich doch mit den Freunden verabredet“. Die Palette an Ausreden, sich gerade jetzt nicht mit dem Schulstoff zu beschäftigen, ist bunt. Aber auch die Eltern lassen sich was einfallen: Mit Belohnungen, Bedingungen, Ermahnungen, Strafen oder kleinen Erpressungen wollen sie die Sprösslinge zum Lernen bringen. Erfolg bescheren diese Strategien kaum.
„Coachen Sie Ihr Kind!“
Dirk Konnertz vom LernTeam leitet die JAKO-O Lernseminare für Schüler und auch für Eltern. Er rät Müttern und Vätern: „Coachen Sie Ihr Kind“. Das heißt, der Nachwuchs lernt, Verantwortung für das eigene Verhalten zu übernehmen und so selbstständig und aus eigenem Antrieb heraus zu lernen. „Wann und wie pauke ich Vokabeln? Wie bereite ich eine Klassenarbeit vor? Was kann ich tun, wenn ich Mathe nicht verstehe?“ Diese Fragen muss das Kind für sich selbst beantworten.
Den Müttern und Vätern wird dabei Mut und Durchhaltevermögen abverlangt. Denn „Bauchlandungen“ des Nachwuchses sind inklusive. Das bedeute aber nicht, die Schüler mit ihren Problemen allein zu lassen, so Dirk Konnertz. Die Eltern sollten vielmehr helfen, gemeinsam mit dem Nachwuchs eine Lösung zu suchen. Und: „Konzentrieren Sie sich auf Stärken ihres Kindes, die schulischen, aber auch sportliche, künstlerische oder einfach menschliche Qualitäten. Für Ihr Kind ist es sehr wichtig, dass diese Stärken vor allem dann hervorgehoben werden, wenn es in der Schule nicht gut läuft. Das gibt ihm Vertrauen in sein Können und sein Selbstbewusstsein bleibt trotz schulischer Misserfolge stabil“, rät der Lernexperte.
„Motivation bedeutet, ein eigenes Ziel zu finden und trotz Schwierigkeiten zu verfolgen.“
Motivation braucht eine Richtung, ein Ziel, auf das sie sich richtet. Doch damit der „Motor“ auch von selbst anspringt und sich zu bewegen beginnt, muss es sich dabei um ein eigenes Ziel handeln, erklärt Dirk Konnertz. Eltern können ihr Kind dabei unterstützen, eigene Ziele zu finden, zu formulieren und umzusetzen. Der Schüler kann dafür zu Beginn des Schuljahres oder Halbjahres zum Beispiel aufschreiben, welche Note er in welchem Fach wie erreichen möchte. Darauf sollten die Eltern dann achten:
Nicht an zu vielen Baustellen gleichzeitig arbeiten! Das Kind soll nur ein Ziel oder wenige wichtige Ziele aussuchen, die es erreichen möchte.
Realistische Ziele setzen: Innerhalb von nur fünf Monaten die Englischnote von 5 auf 2 zu verbessern, klappt nicht. Und die Verbesserung auf eine 4 ist dann trotz des Erfolgs eine Enttäuschung. Zu niedrig gesetzte Ziele sorgen dagegen für Langeweile. Wichtig ist das richtige Maß zwischen den Fähigkeiten und den Herausforderungen.
Richtig formulieren: Persönlich, konkret, ohne Einschränkungen, mit dem Zeitpunkt für die Erfüllung und so, als ob das Ziel schon erreicht ist, zum Beispiel „Ich habe am Ende des Schuljahres in Deutsch eine 2“. Hilfreich sind auch positive Formulierungen: „Ich habe am Ende des Schuljahres in Geschichte konzentriert mitgearbeitet und mindestens eine 3 in der mündlichen Note“ statt „Ich störe nicht mehr so oft“.
Visualisieren: Je genauer die Vorstellung von dem eigenen Ziel ist, umso besser kann der Schüler daran arbeiten, es zu erreichen. „Helfen Sie Ihrem Kind, sich im entspannten Zustand genau vorzustellen, wie toll es sich fühlen wird, wenn es zum Beispiel die Versetzung in die nächste Klasse geschafft hat“, empfiehlt Dirk Konnertz. Möglich ist auch, dass das Kind dazu ein Bild gestaltet und aufhängt.
Geeignete Maßnahmen zum Erreichen der Ziele finden: Diese sollten vom Kind kommen oder möglichst von ihm ausgewählt werden. Die Motivation, häufiger Vokabeln zu lernen, ist viel größer, wenn sich das Kind selbst entschlossen hat, einen Lernkasten zu benutzen.
Große Ziele klein machen: Weit entfernte Ziele sollten in kleine Teil- oder Zwischenziele gegliedert werden, rät der Experte vom LernTeam. Das Kind kann sich so besser auf die nächste Herausforderung konzentrieren. Und der Erfolg zwischendrin motiviert durchzuhalten.
Auch kleine Erfolge feiern: Alle gelungenen Schritte, die zum großen Ziel führen, sind mindestens ein dickes Lob, wenn nicht sogar eine kleine Erfolgsfeier wert. Eltern sollten auch auf all die kleinen positiven Veränderungen aufmerksam machen, die sich vielleicht noch nicht in einer besseren Note niedergeschlagen haben.
Lob motiviert, macht stolz und stärkt das Selbstbewusstsein. Gelobt werden sollten auch kleine Erfolge und der Weg ebenso wie das Ergebnis. Das Lob sollte ehrlich, sofort, konkret, ohne Einschränkung und positiv formuliert sein. Dirk Konnertz rät außerdem, das Kind nach seiner eigenen Einschätzung der Leistung zu fragen.
Lernpausen einplanen: Wenn das Kind weiß, dass es nach der nächsten Lateinarbeit vier Tage lang mit dem Lernen pausieren wird, kann es sich bereits vorher darauf freuen und nimmt die Zeit bewusst als Erholung wahr.
Lieber überraschen als Belohnungen versprechen
Eine neue Musik-CD für die 2 in Mathe versprechen? Lieber nicht, meint Dirk Konnertz vom LernTeam. Das Kind lernt dann nur noch für die Belohnung und nicht mehr für die bessere Note oder die Freude am Wissenszuwachs. Und Eltern geraten schnell in Zugzwang, wenn die Sprösslinge beim nächsten Mal mehr fordern. Auch das Zelten mit Papa oder der Ausflug ins Erlebnisbad bringen dieses Dilemma mit sich.
Dirk Konnertz rät deshalb, das Kind erst im Nachhinein mit einer Belohnung zu überraschen. Die Freude über die unerwartete Anerkennung motiviert nach seiner Erfahrung oft viel mehr.
