Von Kareen Klippert in der Zeitschrift wirbelwind von JAKO-O
(Lesedauer. ca. 5 Minuten)
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Wenn der Sprössling „Mist gebaut hat“, wenn die Noten in den Keller rutschen, wenn das Kind gemobbt wird – dann ist ein Gespräch mit der Lehrkraft fällig. Doch die wenigsten Eltern gehen gern in die Schule: Sitzt das Gegenüber nicht doch am längeren Hebel? Schadet es dem Nachwuchs, wenn ich meinen Mund aufmache? Was Sie beachten müssen, um Erfolg zu haben.
Das Grummeln in der Magengegend lässt sich nicht als Schmetterlinge im Bauch deuten: Kinder fühlen es morgens in der Schule, wenn sie ihre Vokabeln nicht gelernt haben. Eltern fühlen es, wenn sie sich zu einem schwierigen Gespräch mit einem Lehrer ihres Nachwuchses auf den Weg machen. Ob die Versetzung gefährdet ist, die Noten plötzlich in den Keller rutschen, eine Zensur als ungerecht empfunden, das Kind gemobbt oder das Arbeitpensum als zu groß gesehen wird: Der Anlass ist meistens ebenso wichtig wie unangenehm.
Dabei tragen Eltern eine eigenartige Mischung aus Respekt, Verachtung, Wut, Enttäuschung, Verzweiflung, Vorurteilen und eigenen Schulerfahrungen mit in das Gespräch. Lehrkräfte auf der anderen Seite müssen oft die volle Wucht dieser Elterngefühle aushalten. „Auch für Lehrer sind solche Treffen oft schwierig, denn sie wissen zunächst nicht, wer und was auf sie zukommt“, sagt Christiane Konnertz vom Marburger LernTeam, die selbst als Lehrerin an einem Gymnasium gearbeitet hat.
Zwar seien die meisten dankbar, wenn Mütter und Väter Engagement zeigen und kritische Situationen ansprechen. Doch immer wenn Eltern nicht sachlich bleiben, sei es für das Gegenüber schwierig, die Botschaft hinter dem Gefühlsausbruch herauszufiltern und darauf angemessen zu reagieren. Denn gelegentlich müssen Lehrer auch das Bild des Schülers entzaubern, das dessen Eltern haben: Der brave Junge von zuhause kann in der Schule durchaus ein Störenfried sein. Und nicht unbedingt liegt es an den Unterrichtsmethoden, wenn die Einser-Schülerin aus der Grundschule im Gymnasium in Versetzungsgefahr gerät.
Christiane Konnertz rät, auf Ärger nicht spontan zu reagieren und nicht gleich die Partei des Kindes zu ergreifen. Besser sei es, sich als Vermittler zu verstehen. Eltern nähmen oft eine Gegenposition zur Lehrkraft ein. Sie machten sich meist nicht klar, dass kein Lehrer einem Kind Böses wolle, sondern dass es auch ihm um das Wohl des Schülers gehe. Zu oft seien Eltern auch von negativen Medienberichten geleitet, zweifelten die Kompetenz ihres Gegenübers an und ließen sich von Vorurteilen leiten.
Auf der anderen Seite blieben auch die Lehrer nicht unberührt von der Berichterstattung über die PISA-Misere und der Kritik am Bildungssystem, die am Wert ihres Berufes kratzen. Die Folge: Vorhaltungen der Eltern wollen sie nicht auch noch hören. Was tun bei besonders ablehnenden Vertretern der Gattung Lehrer? „Erschlagt sie mit Freundlichkeit“, rät die Kommunikationstrainerin Heike Bauer-Banzhaf von „Netzwerk Mensch“, die als dreifache Mutter reichlich Schul- und Elternerfahrung gesammelt hat. Damit seien meistens auch „harte Nüsse“ zu knacken.
Wie verläuft das Gespräch erfolgreich? Hier Tipps von Heike Bauer-Banzhaf und Christiane Konnertz:
- Klingt selbstverständlich, ist es aber nach den Erfahrungen vieler Lehrkräfte nicht: Überfallen Sie den Lehrer nicht auf dem Schulhof. Vereinbaren Sie einen Termin und erklären Sie vorab, worum es geht.
- Zeigen Sie Ihrem Gesprächspartner Ihre Wertschätzung. Das fällt leichter, wenn Sie und Ihr Kind vorher überlegen, was Sie an diesem Lehrer schätzen. Freundlichkeit öffnet Türen.
- Verkneifen Sie sich Schuldzuweisungen, Angriffe und Vorwürfe. Sie müssen sich und ihr Kind aber auch nicht verteidigen. Schildern Sie die Situation aus Ihrer Perspektive, Gefühle wie Enttäuschung und Sorge müssen Sie nicht verbergen.
- Finden Sie heraus, wie der Lehrer das Thema betrachtet: „Mein Kind sagt, dass … Wie sehen Sie das?“ Denn Kinder erzählen nicht unbedingt alles und nicht unbedingt alles so, wie es war.
- Stellen Sie Fragen, hören Sie zu, signalisieren Sie durch Blickkontakt Ihre Aufmerksamkeit und geben Sie Ihrem Gesprächspartner eine Rückmeldung, dass Sie seine Ausführungen verstanden haben, bevor Sie Ihr Argument bringen.
- Es kann hilfreich sein, sich schriftlich vorzubereiten: Was will ich genau wissen? Was will ich erreichen? Wie kann eine Lösung aussehen, die allen nützt?
- Ziel ist, dass Eltern und Lehrer gemeinsam überlegen, wie sie den Konflikt bereinigen und was sie für das Wohl des Kindes tun können. Vereinbaren Sie realistische Ziele: „Von heute an wird alles anders“ klappt meistens nicht.
- Wenn Sie und der Lehrer es für sinnvoll halten, sollte das Kind bei dem Gespräch dabei sein. Vor allem, wenn es um einen Lösungsvorschlag geht, sollte es einbezogen werden, damit es „mitzieht“.
- Am Ende des Treffens sollte ein neuer Termin vereinbart werden, an dem die Wirksamkeit der Vereinbarung überprüft wird.
- Was tun, wenn die Lehrkraft „mauert“ und sich Eltern selbst fühlen wie ein hilfloser Schüler? Dann diesen Eindruck offen aus eigener Sicht ansprechen: „Ich habe den Eindruck, dass wir noch weit weg sind von einer Lösung? Was können wir tun?“. Hilft auch das nicht weiter, bleibt ein gut begründeter Brief an die Schulleitung als weitere Möglichkeit, das Problem anzugehen.
